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Bücher über Religion, Sekten, Zeugen Jehovas

Gerd Borchers-Schreiber:

Mein Leben als Zeuge Jehovas. Bericht eines Aussteigers

Gerd Borchers-Schreiber: Mein Leben als Zeuge Jehovas»Siebzehn Jahre lang war Gerd Borchers-Schreiber Zeuge Jehovas und durchlebte eine aufregende Entwicklung vom begeisterten Anhänger zum Zweifler und schließlich zum konsequenten Aussteiger.« Mit diesen Worten beginnt die Vorstellung des Buches auf der Rückseite.

Zunächst gibt das Buch einen kurzen Überblick bezüglich Entstehung und Geschichte der Wachtturm-Gesellschaft während der Zeit ihrer ersten Präsidenten Charles Taze Russell, Joseph Franklin Rutherford und Nathan Homer Knorr. Weitere kurze Kapitel widmen sich der Organisation der Gesellschaft und einigen Grundzügen der Lehre, die Jehovas Zeugen vertreten.

Ab Seite 25 schildert Gerd Borchers-Schreiber seinen persönlichen Werdegang: Wie er als Neunzehnjähriger durch einen Arbeitskollegen auf die Zeugen Jehovas aufmerksam wurde, welche Erinnerungen er an seine ersten Besuche im Königreichssaal hatte, wie mit ihm ein ›Heimbibelstudium‹ durchgeführt wurde und wie er selbst dann in den ›Felddienst‹ (Predigtdienst von Haus zu Haus) eingeführt wurde.

Die folgenden Seiten des Buches zeigen deutlich, wie sich typische Sektenmerkmale deutlich auch bei Jehovas Zeugen finden lassen. Hierzu folgt das Buch im Aufbau den 17 Punkten aus der Broschüre »Gemeinschaft kann gefährlich werden«, die auf den Erkenntnissen von sektenerfahrenen Psychologen beruht und vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Wien herausgegeben wurde (eine Auflistung der 17 Punkte findet sich auch auf www.kath.ch/infosekten). Zu den jeweiligen Punkten berichtet der Autor sowohl aus eigener Erfahrung als Zeuge Jehovas, aber er erzählt auch aus Beratungsgesprächen, die er mit Sektenopfern geführt hat, für die er sich ehrenamtlich engagiert. Auch geht Borchers-Schreiber darauf ein, welche WTG-Lehren in ihm zu Zweifeln führten und wie er selbst den Weg aus der Sekte fand.

Besonders interessant fand ich den Abschnitt »Im ›theokratischen Geheimdienst‹«, wo Borchers-Schreiber seine Erfahrungen schildert, WTG-Schriften abzufotografieren und die Negative nach Osteuropa zu schmuggeln. Auch die Beschreibung seiner Kontakte zu Gerrit Lösch (der später in die Leitende Körperschaft in Brooklyn berufen wurde) und zu Walter Voigt (ehemaliger Zweigaufseher in Österreich) tragen zu einer spannenden Lektüre bei.

Anmerkungen zu Ausstiegsschwierigkeiten, Tipps für zweifelnde Zeugen Jehovas, die den Ausstieg erwägen, ein Literaturverzeichnis und Adressen von Selbsthilfegruppen bzw. Sektenberatungsstellen runden das Buch ab.

Mein Fazit über dieses Buch, das ich im Mai 2007 gelesen habe: Die 17 Punkte zum Erkennen von Sekten werden anschaulich erläutert, und es werden auch einige Erfahrungen geschildert, die in dieser Form vermutlich nur die wenigsten Aussteiger gemacht haben. Alles in allem ein interessant zu lesendes Taschenbuch (112 Seiten).

© 1999 Gütersloher Verlagshaus, ISBN 3-579-01142-1

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