(Zuletzt aktualisiert: 11. November 2004)

Gillian White:
     Hexenwiege

Dieses Buch ist auf Weltreise: Siehe BookCrossing-Seite dieses Buches.

Eine Sache vorweg: Gillian Whites Roman 'Hexenwiege' ist kein Buch über Hexerei oder Hexentum. Gillian White: Hexenwiege Wer aufgrund des Titels damit gerechnet hat, wird schon schnell positiv oder negativ überrascht - je nachdem, was er erwartet hat. Der Titel des Buches erklärt sich dadurch,

Über dieses Buch:

"Das junge Ehepaar Cheryl und Barry Brown ist zu zweifelhaftem Ruhm gelangt. Ihr armseliges Dasein in einer Sozialwohnung hat in einem TV-Doku-Drama das Mitgefühl eines Millionenpublikums erregt. Cheryl ist begeistert, denn sie sieht darin nicht nur einen Weg aus der Armut, sondern wähnt sich schon auf deinem Treppchen mit den Großen des Showgeschäfts.
Und sie ist bereit, alles dafür zu tun, damit ihrer Familie der Aufstieg zu den Stars auch gelingt. Mit diesen übermütigen Träumen ist es jedoch vorbei, als das dritte Kind der Browns auf die Welt kommt. Schnell werden sie als asozial abgestempelt, die Welle der Sympathie ebbt ab. Aber als alle drei Kinder auf mysteriöse Weise verschwinden, wird ihr Leben vollends zur Hölle...

'Gillian White erinnert an Barbara Vine. Sie lenkt die Handlung intelligent und hat ihre gruseligen Zutaten bestens im Griff.'
Independent on Sunday

'Nichts für Leser mit hohem Blutdruck!'
Woman's Journal"

Über die Autorin:

"Gillian White stammt aus Liverpool und arbeitete mehrere Jahre als Journalistin, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Mit ihrem Mann und zwei Hunden lebt sie in Totnes, Devon. Gillian White hat bereits vierzehn Romane verfasst, davon wurden vier mit großem Erfolg für das britische Fernsehen verfilmt." (Random House)

Ausführlichere Informationen über Gillian White und ihre Werke gibt es auf folgenden Internet-Seiten:

Meine Bewertung:

Anspruch:
Spannung:
Humor:

Spanner-TV à la 'Big Brother', 'Dschungelcamp' oder 'Die Alm' konsequent weiter gedacht. Wohin der Verlust aller Privatsphäre durch die Medien führen kann, wird in diesem Buch spannend erzählt. Lesenwert!

dass der Roman eine moderne Form der 'Hexenverfolgung' schildert, die der mittelalterlichen in ihrer Grausamkeit nur wenig nachsteht. Nur dass es heute nicht um kirchlichen Machtmissbrauch geht, sondern um die Manipulation der Öffentlichkeit durch die Medien. Damals wie heute sind die Opfer, die angeblichen 'Hexen', unschuldig und vor allem den wirkenden Kräften schutzlos ausgeliefert.

Der Roman beschreibt das Leben einer jungen Familie aus ärmlichen sozialen Verhältnissen, die sich für eine mehrteilige TV-Dokumentation zur Verfügung stellt. Insbesondere die junge Mutter Cheryl hofft, dem Kreislauf der Armut und des Elends entkommen zu können, indem sie versucht, durch das Fernsehen berühmt zu werden. Tatsächlich erzeugen die ersten Folgen der Serie eine Welle des Mitgefühls und der Sympathie. Man liebt die Browns, weil sie trotz ihrer hoffnungslosen Lage so viel Zuversicht ausstrahlen.

Doch schon bald lassen die Fernsehmacher das Bild der jungen Familie komplett umschlagen. Mit allen Regeln der Fernsehkunst erscheinen die Browns auf einmal auf den Mattscheiben der Nation in einem härteren Licht und mit weniger warmem Ton. Noch ein paar kritische Fragen und Anmerkungen des Sprechers, und schon werden aus Barry und Cheryl in der öffentlichen Meinung die dreisten Sozialschmarotzer, die der Zorn und Hass ihrer Mitmenschen angeblich zu Recht trifft. Den Profis vom Fernsehen reichen ziemlich unbedeutende Einzelheiten aus dem Privatleben der Browns, um die breite Öffentlichkeit so radikal manipulieren zu können.

Als dann plötzlich die 3 Kinder der Famlilie verschwinden, traut die Nation den Eltern mittlerweile alles zu, um Sympathie und Mitleid zu erheischen. Für Cherly und Barry beginnt ein wahrer Alptraum, weil nicht einmal mehr die Polizei ihnen glaubt. Auch ihre 'Freunde' bei der Produktionsfirma der Serie sind ihnen nun keine Hilfe. Das ganze Leben gerät aus den Fugen.

Bis hierher möchte ich aus dem Inhalt des Buches "Hexenwiege" erzählen, ohne schon zu viel Einzelheiten vorweg zu nehmen. Gillian White versteht es, die Motive und Beweggründe ihrer Charaktere auf spannende Weise verständlich zu machen. Sie zeigt, mit welcher Naivität sich Cheryl auf das TV-Abenteuer einlässt, was ihre inneren Hoffnungen sind, wie sehr Cheryl dem Gefühl hinterherjagt, sich wichtig und interessant fühlen zu können. Sie macht auch deutlich, aus welchen Motiven ihr Mann Barry trotz seiner anfänglichen Skepsis ihr dennoch den Gefallen tut und zustimmt.

Mein ganz persönliches Fazit über dieses Buch, das ich im September 2004 gelesen habe: Gillian White's "Hexenwiege" ist ein spannendes Buch, das es versteht, den Leser zu fesseln. Die Fragen, die es aufwirft, gehen weit über die geschilderte TV-Doku hinaus. Wohin führt die komplette Aufgabe der Privatsphäre, wie sie das Fernsehen in den letzten Jahren immer mehr forciert? Welche Macht haben die Massenmedien über die öffentliche Meinung und über das Schicksal ihrer Opfer? Wenn auch die Geschichte der Browns vielleicht überspitzt im Vergleich zu anderen (real existierenden) Medien-Opfern erscheint, kann sie doch nicht einfach als unrealistisch abgetan werden, da man einzelne Elemente dessen häufig in den Medien beobachten kann. Daher ein empfehlenswertes Buch, dass nicht nur spannend ist, sondern auch den Blick auf ein beachtenswertes Problem der heutigen Zeit lenkt.

Oben gezeigte Ausgabe: Gillian White: Hexenwiege. Roman. Deutsche Erstausgabe Oktober 2001, 412 Seiten. Wilhelm Goldmann Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH. ISBN 3-442-44984-7. Die Originalausgabe erschien 2000 unter dem Titel 'The Witch's Cradle' bei Bantam Press, a division of Transworld Publishers, London.

Übrigens: Dieses Buch ist auf Weltreise. Siehe BookCrossing-Seite dieses Buches.


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