(Zuletzt aktualisiert: 11. November 2004)

Erich Maria Remarque:
     Der Himmel kennt keine Günstlinge

In seinem Buch "Der Himmel kennt keine Günstlinge" erzählt Remarque die Geschichte zweier Menschen ohne Zukunft. Erich Maria Remarque: Der Himmel kennt keine Günstlinge Der Rennfahrer Clerfayt, der mit jedem Rennen sein Leben neu riskiert, lernt die todkranke Lillian bei einem Besuch im Sanatorium "Bella Vista" kennen. Sie nutzt die Gelegenheit und flüchtet mit Clerfayt gegen den Rat

"Über dieses Buch:

Den Tod vor Augen, versuchen zwei Menschen einen Ausnahmezustand des Glücks zu verwirklichen. Dem Rennfahrer Clerfayt, der immer wieder sein Leben aufs Spiel setzt, halten ohnehin entsetzliche Erinnerungen aus dem Kriege das ständige Bewußtsein der Todesnachbarschaft wach. Krieg und Krankheit haben Lillian, eine junge Belgierin, um ihr Leben betrogen. In der makabren Unwirklichkeit eines Sanatoriums läßt sie nun resigniert die letzte, schon absehbare Lebensfrist verrinnen. Clerfayt lernt sie dort kennen, reißt sie aus ihrer Resignation heraus, sie geht mit ihm - und das Glück beginnt. Es beginnt, die Liebenden in ein Netz von Hoffnungen, Illusionen und Selbstbetrug einzufangen. Der Mann, todgewohnt, verstrickt sich nun am tiefsten in die Maschen dieses trügerischen Netzes. Er verliert den Tod aus den Augen und die kurz bemessene Frist des Glücks. Für Lillian aber gehören Glück und Tod zusammen, hellsichtig ahnt sie das nahe Ende und möchte es als notwendige Bitterwürze nicht missen: 'Es ist sonderbar, aber solange man nicht vergißt, daß man fällt und fällt, ist nichts verloren. Das Leben scheint Paradoxe zu lieben - wenn man glaubt, man sei sicher, ist man immer lächerlich und kurz vor dem Absturz.'"

Über den Autor:

Erich Maria Remarque wurde 1898 in Osnabrück geboren. Ab 1923 nannte er sich Erich Maria Remarque. Mit seinem Anti-Kriegs-Roman "Im Westen nichts Neues" erlangte er im Jahr 1929 Weltruhm. Den Nationalsozialisten waren Remarques Bücher ein Dorn im Auge. Remarques Bücher wurden öffentlich verbrannt und Remarque wurde die Staatsbürgerschaft entzogen. Er lebte in der Schweiz, in Frankreich und in den USA. Im Jahr 1970 starb Erich Maria Remarque in Locarno (Schweiz).

Ausführlichere Informationen über Remarque und seine Werke gibt es auf folgenden Internet-Seiten:

Meine Bewertung:

Anspruch:
Spannung:
Humor:

Wer auch anspruchsvolle Romane ohne "Happy End" verkraften kann, sollte sich dieses Buch einmal vornehmen. Es ist durchaus empfehlenswert.

ihrer Ärzte, weil sie durch die Trostlosigkeit und die strengen Regeln der Heilanstalt das Gefühl hat, nur noch auf ihren Tod zu warten.

Obwohl ihr Leben eigentlich kaum unterschiedlicher sein kann, verbindet beide, dass sie ein Leben ohne Aussicht auf eine gesicherte Zukunft haben. Clerfayt blickt immer nur bis zum nächsten Rennen; wohlwissend dass es sein letztes sein kann. Und Lillians Leben ist ständig bedroht durch eine neue Lungenblutung. Zwischen beiden entwickelt sich eine sehr intensive Beziehung und für eine Weile können sie sich der Illusion einer gemeinsamen Zukunft hingeben. Doch während Clerfayt beginnt, gemeinsame Pläne zu machen und davon zu sprechen, den Rennsport aufzugeben und mit Lillian sesshaft zu werden, weiss Lillian, dass sie das Glück nicht dauerhaft halten kann. Sie liebte ja gerade an Clerfayt, dass er ohne Pläne und ohne Zukunft war, und dass er sie so den zu erwartenden baldigen Tod vergessen ließ. Und so erkennt sie, dass sich ihr gemeinsames Glück nicht halten läßt.

Bis hierher möchte ich aus dem Inhalt des Buches "Der Himmel kennt keine Günstlinge" erzählen, ohne schon zu viel vorwegzunehmen. Denn ich kann dieses Buch wirklich jedem empfehlen, der sich für anspruchsvolle Gegenwarts-Literatur (wenn man diesen Begriff für die Mitte des 20. Jahrhunderts noch verwenden darf) interessiert. Im Gegensatz zu den beiden bekannteren Werken Remarques - "Im Westen nichts Neues" und "Arc de Triomphe" - geht es in "Der Himmel kennt keine Günstlinge" nicht um politisch bestimmte Schicksale und somit nicht um Leben in Krieg und Verfolgung. Dennoch versteht es der Autor in vergleichbarer Weise, dem Leser nicht nur Einblick in das Leben und das Umfeld der Hauptpersonen zu geben, sondern das Fühlen, Sehnen und Handeln der Protagonisten miterleben zu lassen. Vielleicht ist Erich Maria Remarque deshalb einer meiner Lieblingsautoren.

Der Roman "Der Himmel kennt keine Günstlinge" erschien erstmals als Buch 1961 im Verlag Kiepenheuer & Witsch. Meine oben abgebildete Ausgabe stammt aus der Auflage "82.-93. Tausend Mai 1969", was auf einen recht großen Verkaufs-Erfolg in Deutschland schließen läßt. Die amerikanische Übersetzung "Heaven has no favorites" erschien ebenfalls 1961. Doch bereits im Jahr 1959 erschien Remarques Geschichte von Clerfayt und Lillian als zwölfteiliger Fortsetzungsroman mit dem Titel "Geborgtes Leben" in einer Illustrierten. Die Buchversion "Der Himmel kennt keine Günstlinge" ist jedoch nicht nur sprachlich überarbeitet, sondern auch deutlich länger.

Mein ganz persönliches Fazit über dieses Buch, das ich im Juli 2003 gelesen habe (und das ich jetzt, nach einem halben Jahr, versuche interessant und fair zu beschreiben): Ich mag den Schreibstil Remarques - insbesondere die Art, wie er in seinen Romanen Land und Leute beschreibt - sehr. Man wird regelrecht von den Erlebnissen und auch Schicksalsschlägen der Hauptpersonen gefangengenommen. Es sind Menschen mit Stärken und Schwächen, mit Hochs und Tiefs. Am Ende jedes Remarque-Romans, den ich bisher gelesen habe, stellt sich bei mir ein Gefühl der Ergriffenheit oder Betroffenheit ein. Wer dieses Gefühl liebt, sollte dieses Buch lesen. Erich Maria Remarques "Der Himmel kennt keine Günstlinge" ist weit mehr als 'nur' eine Liebesgeschichte. Auch wenn es klischeehaft und blöd klingt: Man besinnt sich darauf, dass auch das eigene Leben eine kostbare Gabe ist, die manchmal an einem seidenen Faden hängt. Meine Empfehlung daher an alle, die auch Romane ohne Happy End mögen: Lesen!

Oben gezeigte Ausgabe: Erich Maria Remarque: Der Himmel kennt keine Günstlinge. Roman. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. München/Zürich, © 1961 by Verlag Kiepenheuer und Witsch Köln/Berlin. Vollständige Taschenbuchausgabe, 82.-93. Tausend Mai 1969, 234 Seiten.


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